Stephan Kalhamer legt Pokerkarten auf den Tisch
Persönlichkeit

Was zur Hölle tust du da?

„Das Wichtigste ist, dass man immer ganz genau weis, was man tut“, findet Pokerstar Stephan Kalhamer. In seinem Pokerworkshop habe ich gelernt, wie wichtig es ist, mir selbst bewusst zu sein. Du solltest bewusst leben. Sprich: sehen, fühlen und tun. Du solltest bewusst Entscheidungen treffen. Dir sollte immer klar sein, was du tust. Das verschafft dir innere Kraft und Coolness.

Sonntagmorgen. Ich sehe nur Schnee. Das Steuer halte ich fest in der Hand. Mein Papa sitzt neben mir. Eine abenteuerliche Autofahrt beginnt. Es hört nicht auf zu schneien. Zwei Stunden später begrüßt uns Stephan Kalhamer in Regensburg. „Das habe ich auch noch nie erlebt“, staunt er. „Ich werde versuchen, pfleglich mit euch umzugehen.“ In einem zweistündigen Einführungskurs erklärt er uns praxisnah und humorvoll alle Spielregeln. Dann geht es weiter in den Taktikkurs. Wir beginnen einfach zu spielen. Es gibt keine Einleitung. Kalhamer will die Chance auf einen ersten Eindruck wahren, weil das ein wichtiger Moment ist, den man im Casino auch hat: „Du bist in einem Spiel und musst jetzt einfach mit der Situation zurecht kommen. Wir machen es nicht steif. Wir machen es live. Wir machen es so, wie es passiert.“ Trotzdem sagt er uns zu jedem Zeitpunkt alles, was er weis und auch wo seine Grenzen sind. „Wer es besser kann, soll es mir sagen“, scherzt der Pokerprofi. 

Sechs Männer spielen Poker

In Stephan Kalhamers Workshop habe ich aber nicht nur Pokerspielen gelernt. Er hat auch verraten, was ihm alles beim Poker durch den Kopf schießt. Wenn er intensiv spielt, muss er fast sekündlich Entscheidungen treffen. Wie schafft er es in so kurzer Zeit, einen globalen Markt zu schlagen? „Ich muss sehr genau wissen, was ich tue“, erklärt er.

Die entscheidende Frage

„Der entscheidende Moment ist für mich, wenn ich mich in den Stuhl fallen lasse“, erzählt der Pokerprofi. Hier wechselt er vom Privatleben in den Pokermodus und stellt sich immer dieselbe Frage: „Stephan, was zur Hölle tust du da?“

Für Stephan ist es in diesem Moment wichtig, dass er sich bewusst macht, was ein Pokerspiel ist und was ein Pokerspieler tut. Ein Pokerspieler gewinnt nicht, weil er etwas schafft oder entstehen lässt. Ein Pokerspieler gewinnt, indem er anderen etwas wegnimmt. „Wenn ich an einen Tisch gehe, muss mir klar sein, worauf ich es aus habe“, sagt Kalhamer. „Wenn ich kann, nehme ich jedem alles weg.“ Das ist eine harte Konstellation, auf die man sich klar einstellen muss. Das wirklich konsequent zu leben, tun die wenigsten.

„Wir sind hier innerhalb eines geschützten Raums“, erklärt Kalhamer den Teilnehmern des Workshops. „Das ist nur ein Spiel, aber innerhalb dieses Spiels sind wir keine Freunde.“ So läuft das Spiel. „Ich habe hier direkt ein schlechtes Gewissen, weil das heute so eine ganz freundliche Runde ist“, lacht er. „Trotzdem muss ich meinen Job genauso professionell angehen wie jeden Tag.“ Stephan will uns das Mindset deutlich machen. Wenn man verstanden hat wie hart das Spiel abläuft, ist man immun gegen die eigentliche Krankheit der meisten Pokerspieler. Die meisten verlieren nicht, weil sie Pech haben oder es nicht können. Sie verlieren, weil sie nicht verstehen, was gewinnen heißt. „Gewinnen heißt nicht, in der ersten Stunde gewinnen“, sagt Kalhamer. „Gewinnen heißt, in der letzten Stunde gewinnen. Gewinnen heißt, am Schluss noch konzentrierter zu sein als die anderen.“ 

Portraitaufnahme Stephan Kalhamer. Er ist sehr konzentriert.

Die spannende Antwort

Was zur Hölle tue ich da? Stephans Antwort ist nicht: Ein bisschen Datteln und Spaß haben. Er antwortet: „Ich investiere freiwillig in ein feindliches Umfeld.“  

Was entsteht durch dieses Bewusstsein?

Coolness. „Ich kann mich nicht aufregen über irgendwelche Sachen, die zufällig passieren oder meine Gegner mit mir machen. Ich stehe das allen zu, weil ich verstanden habe, wer ich bin“, meint Kalhamer. „Als Pokerspieler bin ich niemand, der ein Recht hat oder der zu schützen ist oder der irgendwie nett ist. Ich gehe da raus und versuche zu schlachten. Wenn ich so drauf bin, brauche ich mich doch nicht aufregen über Pech oder dass der Gegner sich wehrt. Ich würde es auch machen. Wir sind halt keine Freunde am Pokertisch. Das ist ganz wesentlich. Es gibt auch immer Situationen, die man einfach nicht im Griff hat. Aber innerhalb dieser Welt gibt es nichts zu jammern. Ich habe mich freiwillig und klar dafür entschieden. Das ist ein wichtiger Punkt.“

Was wir daraus lernen

Wir sollten uns frei und klar entscheiden, wie wir leben wollen und was wir tun und mit den Konsequenzen unserer Entscheidungen bewusst leben.

Der Tag endet mit einem Pokerturnier, indem wir (die Teilnehmer) uns untereinander ausfechten. Ein echtes Highlight!

Weiter zum Artikel: Alltagstipps vom Poker-Profi

Eure ANNAnas

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