Henning Beck gestikuliert auf der Bühne
Erfolg,  Persönlichkeit

Lernen: So vergisst du nie wieder!

Lernen ist nichts Besonderes. Tiere lernen, Computer lernen. Menschen können verstehen. Wer lernt kann verlernen, aber wer versteht kann nicht ent-verstehen. Doch was muss in unserem Gehirn passieren, damit wir verstehen? Wie können wir Wissen dauerhaft im Kopf behalten? Hirnforscher Henning Beck zeigt, wie das funktioniert.

Wie lernt unser Gehirn?

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Lernen: das klassische Lernen und das Schemalernen. In Schulbüchern, Zeitungen und im Internet finden wir meist das klassische Lernen.

Klassisches Lernen = wiederholen. Unser Stirnbereich konzentriert sich auf eine Aufgabe und schweift dabei immer wieder ab. Das Abschweifen ermöglicht es uns, von einem Problem zurückzutreten, zu filtern und die wichtigsten Informationen in der Mitte unseres Gehirns zwischen zu speichern. Diese Region heißt Hippocampus. Dort werden die wichtigsten Informationen immer wieder vor- und zurückgespult. Nachts ist diese Region besonders aktiv und präsentiert die Informationen der Großhirnrinde. Diese passt nun die Nervennetzwerke an. So können die Informationen das nächste Mal leichter abgerufen werden.

Schemalernen = „Lernen auf den ersten Blick“. Beim Schemalernen müssen wir etwas nicht 100.000 Mal wiederholen. Wir schauen uns etwas einmal an, verstehen sofort und vergessen nie wieder. Bei dieser Form des Lernens wird der Hippocampus nicht aktiv. Die Informationen werden sofort in den Nervenzellen verarbeitet.

Beispiel: In einem Test sollten sich Probanden eine unbekannte Frucht merken. Diese Frucht war die Noni-Frucht. 

Einige Probanden sollten klassisch Lernen. Ihnen wurden immer wieder Bilder von der Noni-Frucht gezeigt, mit der Aussage „Merk dir die Noni-Frucht!“.

Bei den anderen Probanden wurde das Schemalernen getestet. Ihnen wurden verschiedene Bilder gezeigt, beispielsweise ein Apfel, eine Banane, eine Erdbeere und eine Noni-Frucht. Dann wurde eine Frage gestellt: Was ist die Noni-Frucht? Die Teilnehmer mussten also selbst aktiv werden und überlegen, was die Noni-Frucht ist und was sie nicht ist.

So funktioniert Schemalernen

Schritt 1: Motivation locken 

Zunächst müssen wir Demotivation abschaffen. „Oft gibt es Preise für die Besten“, erklärt Beck. „Dann gibt es einen Sieger und viele Verlierer. So demotivieren Sie ein ganzes Team.“ Wann sind Menschen top motiviert? Es sind immer drei Dinge: 

  1. Selbstbestimmtheit: Menschen wollen frei sein, indem was sie tun. 
  2. Fortschritt: Menschen wollen besser werden. 
  3. Soziale Anerkennung: Menschen wollen wertgeschätzt werden. 

Was Menschen nicht wollen, sind Belohnungen. Belohnungen wirken sich negativ auf die Leistungsfähigkeit aus. Menschen versagen unter Druck und Belohnung. Sie sind abgelenkt und konzentrieren sich nicht auf das Wesentliche.

Schritt 2: Wissen nicht einfach vermitteln 

Wie kann ich dafür sorgen, dass Menschen ihr Bestes geben und neugierig sind? „Wissen wird heute sehr eingängig präsentiert. Wissen soll einfach und schnell gehen“, meint Beck. „Aber ein Gehirn funktioniert so nicht. Es beschäftigt sich selbst mit Dingen.“ Wir müssen Menschen animieren, mitzudenken.

Gute Wissensvermittlung ist 

  • analog
  • passiert in Kleingruppen in einer Art Workshop
  • man gibt nicht die Lösung sofort aus, sondern zuerst eine Frage, ein Rätsel
  • man hilft anschließend beim Lösen des Rätsels

„Mach ein Geheimnis aus Wissen, halte die Information zurück!“, fordert der Neurowissenschaftler. „Die Menschen kommen oft nicht selbst auf die Lösung, aber darum geht es nicht. Es geht darum, sich selbst Gedanken zu machen, Fehler zu machen, rumzuprobieren.“ Das ist ineffizient, aber effektiv. Dadurch entsteht eine kreative, selbst denkende Gesellschaft!

Schritt 3: Kreativität freisetzen

Zuletzt ist es wichtig, dass Menschen kreativ sein können. Es braucht ein geschütztes Umfeld, indem wir ausprobieren und Fehler machen können. Beim Ausprobieren geht meist etwas schief, aber wir lernen daraus. Wir dürfen keine Angst vor Fehlern haben. Einfach mal machen. Es muss nicht perfekt sein. Nur durch das Testen kann überhaupt etwas wirklich Neues entstehen! 

Teil 1: Gehirn vs Computer

 

Quelle: Henning Beck zum Thema Geisteskraft – NN-ExpertenForum 2020
Bild: Anna Neubauer

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