René Borbonus auf der Bühne
Persönlichkeit

Klarheit schaffen – So geht's!

„Wisst ihr was ganz entscheidend für unser Glücksempfinden ist?“, fragt René Borbonus sein Publikum. „Es sind Beziehungen. Beziehungen zu Menschen, die uns wichtig sind. Zu unseren Lebenspartnern, Kindern, Eltern, Freunden, Arbeitskollegen. Beziehungen entscheiden darüber, wie robust wir durch das Leben gehen.“ Und was entscheidet darüber, wie gut eine Beziehung läuft?

„Kommunikation und nichts sonst“, sagt Borbonus. Die meisten Probleme entstehen durch Unklarheiten in unserer Kommunikation. „Unklarheit ist etwas, was uns massiv belasten kann“, erklärt der Rhetoriktrainer. Wenn Dinge im Beruf oder im Privaten nicht geklärt sind, bereitet uns das oft schlaflose Nächte. Durch Kommunikation können wir jedoch auch Klarheit schaffen.

1. Schritt: Innere Klarheit

Um klar kommunizieren zu können, musst du dir zunächst selbst klar werden. Viele Gespräche scheitern, weil Menschen sich selbst nicht klar über ihr Ziel oder ihre Absichten sind. René Borbonus stellt seine drei Lieblingswege zur inneren Klarheit vor:

Entschleunigung: 
Wir entschleunigen nicht mehr. Wir ballern uns die ganze Zeit mit Informationen zu. Deswegen sind wir alle „durch“. Wir sollten uns mal Zeit zum Abschalten nehmen.
Distanz: 
Wir brauchen mehr Distanz zu den Dingen. Wir sind sehr schnell in der Beurteilung. Wir haben zu allem eine Meinung und hauen diese gleich raus. Wir sollten mal wieder leben und leben lassen.
Memento mori: 
Bedenke, dass du sterben musst. Wenn dir die Begrenzung des Lebens klar wird, werden dir viele andere Dinge auch klar.

2. Schritt: Klarheit überprüfen

Wenn uns jetzt etwas klar geworden ist und wir das kommunizieren wollen, sollten wir vorher noch einige Dinge beachten. Im Pressekodex gibt es drei Werte, die Borbonus für sehr wichtig hält:

Vollständigkeit: Sind die Informationen, die wir haben, vollständig? Kennen wir beide Seiten der Medaille?
Verlässlichkeit: Wie verlässlich sind die Quellen und prüfen wir sie noch? 
Transparenz: Unterscheiden wir Meinung und Fakten?

Wenn wir im Internet etwas posten oder teilen wollen, sollten wir uns vorher fünf Fragen stellen:

  1. Dient es dem Allgemeinwohl?
  2. Kann ich die Fakten beurteilen?
  3. Kann ich die Botschaft verantworten?
  4. Braucht die Welt diese Information wirklich?
  5. Braucht die Welt diese Information wirklich von mir?

Anna und René Borbonus

3. Schritt: Klarheit kommunizieren

Wenn wir uns selbst klar sind, sollten wir diese Klarheit nach außen bringen. Oft kommen Informationen bei unseren Gesprächspartnern nicht an. Wie können wir Botschaften so aufbereiten, dass sie besser ankommen? Borbonus schlägt vor: „Sprich KESS!“ 

Kurz: 
Je mehr wir sagen, desto mehr Widerstände bauen sich auf. Wir denken meistens, wenn wir viele Gründe haben, ist das überzeugender. Das Gegenteil ist der Fall. Je mehr Gründe wir haben, desto weniger überzeugend ist das. 
Ebenso sollten wir Nebensätze in der gesprochenen Sprache möglichst gering halten.

Einfach: 
Wir sollten Fachbegriffe, Anglizismen und Abkürzungen vermeiden. Wenn wir nicht verstanden werden, dann traut man uns nicht. 
Außerdem sollten wir auf Euphemismen, sogenannte Beschönigungen, verzichten. Eine Studie beweist, dass wir Klarheit schätzen, auch wenn sie schmerzhaft ist. Wir honorieren das mit Vertrauen. Führungskräfte dürfen also ruhig von einem Problem statt einer Herausforderung sprechen.

Stimulierend: 
Der Erfolg der Kommunikation wird immer vom Empfänger der Botschaft bestimmt. Sprecht also so, dass der andere euch gerne zuhört.
Verwendet beispielsweise mehr Verben. Verben sind Tun-Worte. Sie lösen Bilder aus.
Ebenfalls nennt der Rhetoriktrainer zwei Möglichkeiten, wie man stimulierend in eine Rede einsteigen kann. Wir können beispielsweise einen Gegenstand in der Hand halten, der zu unserem Vortragsthema passt. Oder wir sagen so etwas wie: „In den nächsten 60 Minuten erfahren sie ….” Ein Informationsdefizit ist eine Art Unzufriedenheit, die unsere Aufmerksamkeit hält. Wir wollen wissen, wie es weitergeht.

Strukturiert: 
Manchmal ist Klarheit eine Frage von Reihenfolge. Wenn wir jemanden überzeugen wollen: erst den Grund sagen, dann das Ziel. Das machen die meisten Menschen falsch. Im Gespräch sagen die meisten zuerst, was der Gegenüber tun soll und dann nennen sie den Grund. Doch dann hört euch der andere längst nicht mehr zu.

4. Klarheit für uns

Selbst wenn du dich klar ausdrückst, heißt das noch nicht, dass Klarheit entsteht. „Denn jetzt kommen zwischenmenschliche Reibungsverluste ins Spiel“, sagt der Speaker. „Diese entstehen durch sogenannte Gesprächsstile und Gesprächsrituale, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind.“

Klarheit in der Eltern-Kind-Kommunikation (gilt auch für den Job)

Keine Fragen stellen:
Viele Eltern stellen ihren Kindern Fragen, wo sie eigentlich Aussagen machen müssten. Eltern übertragen dabei den Kindern einen Entscheidungsrahmen, den sie ihnen überhaupt nicht zu billigen. Sie hoffen, das Kind entscheidet sich so wie sie es gerne hätten. Tun sie es nicht, korrigieren sie die Entscheidung. Wenn man das oft macht, verlieren Kinder an Selbstbewusstsein. Denn sie lernen von klein auf, dass sie keine richtigen Entscheidungen treffen können.

Nicht diskutieren: 
Laut Borbonus überfordern wir Kinder, wenn wir mit ihnen über Entscheidungen außerhalb ihres Rahmens diskutieren.

Ein „Nein“ nicht begründen:
Wenn du ein „Nein“ begründest, geht es nicht mehr um das „Nein“, es geht nur noch um den Grund.

Konsequenz statt Drohung: 
Eltern verwechseln viel zu oft Drohung und Konsequenz. Kinder erkennen meistens, wenn es sich um eine Drohung handelt und machen weiter Blödsinn. Sie verlieren Respekt vor den Erwachsenen, wenn Worte und Taten nicht zusammenpassen. 

Streit nicht vermeiden:
Viele Eltern denken, man müsste Streit immer vermeiden. „Muss man nicht“, findet Borbonus. „Manchmal sind wir unseren Kindern den Streit schuldig.“ Das ist nicht immer schön, aber es gehört dazu.

Klarheit in Paarbeziehungen

Borbonus spricht hier auch von interkultureller Kommunikation. Du wirst in einer bestimmten Familie geboren und lernst dort bestimmte Gesprächsstile und -rituale. Dein Partner ist da erstmal komplett anders, weil er aus einer anderen Familie kommt. Er hat andere Arten und Weisen, sich zu entschuldigen, um etwas zu bitten, all diese Kommunikationsschwierigkeiten in Paarbeziehungen.

Graf, der das Verhältnis von Bindung und Kontrolle sowie Hierarchie und Gleichheit darstellt
Wenn du dich auf Bindung zu einem Menschen zubewegst, gibst du Kontrolle über dein Leben ab. Wenn du dich auch Hierarchie zubewegst, entsteht keine Gleichheit zwischen den Partnern. Wenn du das eine hast, gibst du das andere auf.

Laut Borbonus hängen Unklarheiten meist damit zusammen, dass die Pole Bindung und Kontrolle oder Hierarchie und Gleichheit im Ungleichgewicht stehen. Wo ein Mensch in dieser Grafik steht, hat großen Einfluss darauf, wie er sich verhält. In einer Beziehung muss man also eine Art Fremdsprache lernen.

Manchmal kommt ihr in einer Diskussion mit eurem Partner an einen Punkt, wo ihr eigentlich gute Argumente habt, aber es geht nicht weiter. “Dann geht es nicht darum”, erklärt Borbonus. “Es geht um den Graf.”

Quelle:  René Borbonus zum Thema Klarheit – NN-ExpertenForum 2018
Bilder: Anna Neubauer; Andrea Neubauer

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