Jens Corssen
Optimismus

Gute Laune? Kann man lernen!

„Das größte Hindernis für privaten und beruflichen Erfolg ist die Verstimmtheit“, meint Speaker Jens Corssen, „dass wir immer so schnell verärgert sind.“ Er will seinem Publikum die Eigenmacht des Denkens zurückgeben und sie zum Selbstentwickler ihres Lebens machen.

Schlechte Laune nimmt eher zu, weil unsere Welt immer komplizierter wird. Alles ist miteinander vernetzt. Wir haben keinen Überblick mehr. Wir fühlen uns bedroht von fremden Dingen und Menschen. Wir können draußen immer weniger verändern. Aber wir können uns selbst verändern.

Laut Corssen ist am Anfang die Stimmung: „Die Stimmung kann aus Steinen Gold, aber auch aus Gold Steine machen.“ Die Stimmung führt dann zu einer Einstellung, die letztendlich zu Gedanken führt. Man muss sich also in eine positive Grundstimmung bringen, in eine gehobene Gestimmtheit. Die gehobene Gestimmtheit kann man sich erarbeiten. 

Wieso werden Menschen verärgert?

Panta rhei – Alles kommt und geht
„Die Menschen sind oft verstimmt, weil sie nicht mit der Endlichkeit fertig werden“, erklärt der Therapeut. „Die meisten beschweren sich letztendlich darüber, dass alles kommt und geht.“ Die Liebe kommt und geht. Der Kunde kommt und geht. „Es ist ja auch gemein, dass alles irgendwie geht“, grinst Corssen. „Da hat man sich das alles so schön vorgestellt und dann wird es nicht so.“

100% Lebensverantwortung
Viele von uns sind nicht bereit, zu 100% die Verantwortung für ihre Lebensgestaltung zu übernehmen. Häufig geben wir anderen die Schuld für unsere Probleme. Das ist sehr deprimierend, weil man selbst dadurch die Eigenmacht verliert. „Du bist schuld. Du hast mich traurig gemacht“, zählt der Speaker typische Sätze auf. „Es hat sie doch keiner traurig gemacht, das geht nicht.“ Die Trauer entsteht bei uns im Gehirn. Natürlich kommen Reize auf unser Gehirn. Aber was wir damit machen, bestimmen wir. Es gibt immer einen Raum zwischen dem Reiz und der Reaktion.

Jens Corssen

Wie schaffe ich es zu gehobener Gestimmtheit?

Akzeptanz
Wir müssen uns auf die Gesetze des Lebens einstellen. Wir müssen verstehen, dass alles kommt und geht. „Man muss nicht auf Kur, wenn es mal nicht so läuft“, lacht der Speaker. „Das ist eben so, das gehört zum Leben dazu.“ Konzentriere dich nicht auf den Mangel, sondern auf das, was du hast.

Selbstbewusstheit
„Selbstbewusstheit ist die halbe Miete“, erklärt Corssen. Bewusstheit verändert. Man kann trainieren, sich immer mehr zuzuschauen, wie man sich verhält, denkt, mit Leuten redet, schimpft und sich selber fertig macht. „Mit welchen Gedanken verstimme ich mich?“, fragt Corssen. „Wenn man das merkt, kann man sich ja entscheiden, aufzuhören.“

Werte aufschreiben
Was ist für dich von Bedeutung? Das solltest du dir immer wieder vor Augen führen. Dadurch orientierst du dich eher an dem, was wirklich an Wert für dich hat und nicht für andere. Viele leben an ihren Werten vorbei.

Verzichte auf Dagegen-sein und Schimpfworte
Blöder Stau. Was ist das für ein Vollpfosten. Was bin ich für ein Idiot: Das Klagen ist das größte Hindernis für Zufriedenheit. Immer wenn wir gegen etwas sind oder Schimpfworte benutzen, erzeugt das Gehirn Stresshormone. Wir vergiften uns damit. Warum schimpfen wir eigentlich so viel? Laut Corssen gibt es nur eine einzige Erklärung: „Es ist nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Wir orientieren uns nicht an dem, was ist, sondern an unserer eigenen Vorstellung: Wie sollte mein Partner sein? Wie sollte der Verkehr sein? Durch das Ärgern geht das Problem ja nicht weg. Corssen hat aber eine Formel, die man immer schreien darf: „Das hab ich mir aber ganz anders vorgestellt!“ Dann gibt es nicht so viele Stresshormone, weil wir nicht dagegen sind.

Menschen respektieren
Man muss Menschen respektieren und sich gegenseitig zuhören. Jeder darf denken, was er will. Wie wollen wir sonst Frieden bekommen? Je mehr wir Menschen entwerten, desto mehr gibt es Krieg. „Natürlich sind viele Gedanken nicht zielführend“, sagt der Speaker, „aber wenn wir das verachten, ist es klar, dass sich die Menschen wehren.“

Disziplin üben
Ich stelle mich seit 16 Jahren jeden Morgen auf den Stuhl“, sagt Corssen. „15 Sekunden, einfach stehen und Haltung annehmen.“ Warum macht er das? Weil er es sich vornimmt. Es ist wichtig, dass man das, was man sich vornimmt, einhält. „Wenn sie das 16 Jahre machen, was meinen sie was sich da ändert?“, erklärt er. „Das auf dem Stuhl stehen, hat mich am meisten verändert.“ Man muss Disziplin haben, um sein Leben zu verändern.

Um sich selbst kümmern
Jeder hat ein inneres Kind in sich. Dieses sollte man beachten. Lerne, dir selbst mal was zu gönnen. Am besten tust du dir einmal pro Woche etwas gutes. „Gehen sie zum Italiener und kaufen sie sich einen großen Eisbecher. Den teuersten und besten“, scherzt Corssen. „Du bist dir das wert!“

Liebe dich selbst!
Liebe ist eine Entscheidung. Das kommt nicht einfach so. Sage dir jeden Tag: Ich liebe mich ohne Bedingungen. „Wie wollen sie es sonst schaffen? Wollen sie sich erst lieben, wenn sie brav waren und alles geschafft haben?“, fragt der Speaker. „Dann werden sie sterben, ohne sich je geliebt zu haben.“ Auch wenn du mal etwas schlechtes gemacht hast, bist du immer noch was wert. Verzeih dir und liebe dich auch, wenn du keine Leistung bringst.

Geb dein Bestes
Leute, die ihr Bestes geben, sind gesünder als Perfektionisten. Perfektionisten wollen immer das äußere Spiel gewinnen: Punkte, Status, Karriere. Es ist aber gefährlich, sein Selbstwertgefühl vom äußeren Spiel abhängig zu machen. Deshalb rät Corssen, das innere Spiel zu spielen. Nicht immer verkrampft auf das Ziel gucken und unbedingt gewinnen wollen. Fokussiere dich auf den Prozess.

Wo ich bin, will ich sein.
Sie werden zu 60% schonmal in eine gehobene Gestimmtheit kommen, wenn sie sich jeden Morgen klarmachen, dass sie dort wo sie sind, wirklich wirklich sein wollen“, meint Corssen. Menschen beschweren sich immer über ihre Arbeit und Partner, ändern es aber auch nicht. Sie könnten kündigen oder sich trennen. „Die Menschen sind nicht doof“, lacht Corssen. „Die machen immer das geringste Übel und das ist das Beste.“

Vorteile einer gehobenen Gestimmtheit

  1. Du kannst leichter loslassen von deinen Wahrheiten
    Einem, dem es schlecht geht und der sonst nicht viel hat, will wenigstens Recht haben. In der Zeit des Wandels ist es jedoch wichtig, loslassen zu können. Positiv denkende Menschen können leichter ihr Mindset verändern.

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. (Albert Einstein)

  1. Du bist mutiger, innovativer und risikofreudiger
    Du hast weniger Angst, Fehler zu machen. Du liebst dich unabhängig von deiner Leistung.
  1. Du stehst nach Niederlagen schneller wieder auf
    Wenn du akzeptierst, dass Höhen und Tiefen zum Leben gehören, stehst du schneller wieder auf. Natürlich verhalten wir uns auch mal ungünstig. Na und? Weitermachen.
  1. Du entwickelst mehr Mitgefühl
    Wir sind überfordert, andere wahrzunehmen, wenn wir im Stress sind. Wenn wir entspannt sind und entschleunigen, nehmen wir andere Menschen und schöne Dinge mehr wahr. Wir sind dankbarer und sozialer. Wir spüren andere mehr.
  1. Du bist gesünder
    Das körpereigene Abwehrsystem wird durch Schimpfen und Dagegen-sein geschwächt. Wenn du darauf verzichtest, hast du weniger Stresshormone im Blut.

Wer für das Leben ist, nimmt es als Trainingseinheit. Die Situation ist dein Coach und du ihr Schüler. Wachse an den Situationen des Lebens!

 

Quelle: Jens Corssen zum Thema Persönlichkeit – NN-ExpertenForum 2019
Bilder: Anna Neubauer

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