Fotograf Florian Beier auf der Bühne der Tafelhalle Nürnberg
Persönlichkeit

Du bist schön

Mich kann man nicht fotografieren. Ich bin total unfotogen. Ich möchte nicht mit auf das Bild. Kommt dir das bekannt vor? Etwa 90% der Menschen haben Probleme mit Fotos. So kam es dazu, dass sich Fotograf Florian Beier Gedanken gemacht hat: Woran liegt es, dass manche Personen immer super aussehen und andere haben auf jedem Bild die Augen zu?

Erinnere dich an dein letztes Bewerbungsfoto. Schon Tage vorher bist du unruhig. Was ziehe ich an? Schminke ich mich eher dezent oder auffällig? Du machst dir über alle möglichen Dinge Gedanken. Am Morgen entdeckst du noch einen blöden Pickel im Gesicht. Du fühlst dich nicht gut. Dann kommst du in das Fotostudio. Es ist halbdunkel. Du stellt dich hin. Riesige Schirme beleuchten dich und der Fotograf weißt dich an, was du tun sollst. Schließlich heißt es: Lach mal. So lange wie möglich versuchst du, ein Lachen aufzusetzen. Ein Foto wird gemacht. Du siehst es dir an und denkst: Schaue ich wirklich so schlimm aus?

Warum sehen wir auf Fotos schrecklich aus?

Ganz einfach: weil wir uns nicht wohlfühlen. Wir stehen vor der Kamera und denken uns: Jetzt kommt es darauf an. Dementsprechend sind wir aufgeregt. Das Gesicht friert ein. Wir haben das Gefühl, unser Gesicht nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Wir versuchen, auf Knopfdruck schön auszusehen. Das funktioniert nicht. „Wenn man eine Rolle spielt, dann überträgt sich keine Emotion“, erklärt Beier. „Das merkt man nirgendwo so stark, wie vor der Kamera.“ Wir müssen uns also wohlfühlen, authentisch sein und uns selbst schön finden.

Inside makes Outside

Was ist, wenn ich mich ganz authentisch nicht schön finde? Dafür hat der Coach ein paar Tipps:

Denke das Richtige
Wie wir auf Fotos oder andere Menschen wirken, liegt daran, wie wir über uns selbst denken. Es liegt daran, wie wir denken, auszusehen. Wenn man sich richtig schön fühlt, ist alles einfacher. Wenn ich mir selbst nicht gefalle, denke ich, dass es die anderen Leute auch so sehen, fühle mich nicht wohl und wirke deshalb nicht gut. Wir machen so viel davon abhängig, wie wir denken, auszusehen. Erinnere dich deshalb immer wieder daran, wie schön du bist und lerne, es zu glauben.

Selbst-bewusst sein
Im Spiegel sucht man oft genau nach den Punkten, die man nicht an sich mag. „Realistisch gesehen mögt ihr vielleicht 100 Dinge an euch und fünf Dinge nicht“, meint Beier. „Vor dem Spiegel seht ihr jedoch nur die fünf schlechten Dinge.“ Wir gucken bei uns selbst immer auf das, was wir nicht mögen. Man muss die schlechten und guten Seiten zusammen betrachten. Es geht darum, sich selbst bewusst zu sein. Selbst-bewusst sein. 

Sei du selbst
Die Wahrheit über Schönheit ist: Es ist Wahrnehmungssache. Du kannst nicht bestimmen, wie andere Leute dich wahrnehmen. Deswegen sei einfach du selbst. Sei ehrlich, zeige Schwäche und nimm dich selbst nicht zu ernst. Nutze die Körpersprache, die zu dir passt und nicht die, die laut irgendwelchen Büchern gut wirkt. Trau dich auch mal was. Ehrlichkeit und Mut werden immer wertgeschätzt und ernst genommen.

DU bist genug
Definiere dich nicht über Dinge, die dir jederzeit weggenommen werden können wie Aussehen, Beruf oder Partner. Kein Mensch sieht aus wie ein Model und bleibt ewig 20 Jahre. Irgendjemand verdient immer mehr als du und hat ein neueres Auto. Dein Partner kann dich nicht vervollständigen. Du musst dein Glück in dir finden. Du bist toll, weil du du bist. Du bist wertvoll, ohne dass du etwas dafür leisten oder haben musst.

Schluss mit Bescheidenheit
In unserer Gesellschaft wird man dazu erzogen, sich selbst nicht so schön zu finden. Dann könnten die Leute denken, man wäre eingebildet. Schluss damit! Finde dich selbst toll. Zeig was du drauf hast und fordere deinen Wert ein. Das macht dich glücklich.

Komplimente annehmen
Wir haben Probleme mit Komplimenten. Es fällt uns wahnsinnig schwer, einfach danke zu sagen. „Ein Kompliment anzunehmen, heißt, demjenigen der es gesagt hat, zu sagen: Du hast recht, danke“, erklärt Beier. Wir geben anderen Menschen ungern Recht, weil wir selbst immer Recht haben wollen. Wenn wir ein Kompliment annehmen, können wir jedoch nicht verhindern, dass es uns glücklich macht. Also: mehr Komplimente annehmen.

Die Aufgabe eines Fotografen ist nicht, Fotos von dir zu machen, auf denen du anders aussiehst. Die Aufgabe eines Fotografen ist es, dass er dir hilft, deinen Blickwinkel zu verändern. Dass du anfängst, einen zärtlicheren Blick auf dich selbst zu bekommen und dich wertvoll zu fühlen. (Florian Beier)

Tipp gegen den Gesichtskrampf

Der Speaker weist sein Publikum an: „Nehmt bitte eure Hände vor den Körper und krallt sie so fest zusammen, wie ihr könnt. Jetzt versucht zu lächeln.“ Es klappt nicht. Genau das passiert, wenn wir aufgeregt sind, wenn wir wütend werden, wenn wir Angst haben oder uns schlicht nicht wohlfühlen. Unsere Hände verkrampfen sich. Sie sind das Problem. Das Gesicht ist nur ein Symptom. 

Entspannen wir also unsere Hände, entspannt sich auch unser Gesicht. Außerdem gibt es noch viele andere Vorteile. Entspannte Hände sehen beispielsweise immer gut aus. Verkrampfte Hände schauen immer komisch aus. Sie wirken auf Fotos größer, weil Aufmerksamkeit immer dort hingeht, wo Spannung entsteht. Mit entspannten Händen können wir uns fließend bewegen. Mit verkrampften Händen marschieren wir seltsam. 

Beier gibt eine neue Aufgabe: „Lasst die Hände jetzt ganz entspannt hängen und versucht, mit aller Kraft wütend zu werden. Klappt nicht, oder?“ Wir können unserem Körper die Möglichkeit nehmen, wütend zu werden, indem wir unsere Hände entspannen. Das funktioniert auch mit Aufregung und Schmerzen. Schmerz überträgt sich nur gut, wenn die Hände und als Folge der Bauch verkrampfen. Wir können also selbst entscheiden, wie sehr uns eine Emotion mitnimmt. Wenn wir uns beruhigen und ganz bei uns sind, sind wir am Schönsten. 

 

Quelle: Florian Beier zum Thema Selbstwert – NN-ExpertenForum 2019
Bild: Lilien Wege

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